31 Mai

ZS88: Von der Tanzwut und ihrer (wahrscheinlichen) Ursache

Wir springen in dieser Episode zurück ins Mittelalter und auch ein bisschen in die frühe Neuzeit. Über die Jahrhunderte hinweg berichten Quellen immer wieder von Menschengruppen, die über Tage, Wochen und Monate hinweg wie rasend tanzen, anscheinend ohne ersichtlichen Grund.

Wir sprechen über mögliche Gründe, von Bissen diverser Tiere bis zum Versuch der göttlichen Erlösung näherzukommen.

Das Episodenbild ist ein Ausschnitt eines Bildes von Pieter Brueghel, das Teilnehmer eines Ausbruchs der Tanzmanie darstellen soll.

Das Outro ist diesmal eine Tarantella, wahrscheinlich nicht genau so eine, wie sie damals gespielt wurde, aber vielleicht recht nah dran. Das Stück heißt “Tarantella re pinitenti” und wurde auf Soundcloud vom Filarota Recording Studio unter einer Creative Commons 3.0 Lizenz zur Verfügung gestellt. Die hier verwendete Version ist etwas gekürzt, das ganze Stück könnt ihr euch hier anhören. 

Literatur

Die wohl ausführlichste Quelle zu diesem Thema ist natürlich das erwähnte Buch von Gregor Rohmann mit dem Titel “Tanzwut”.

Die möglichen medizinischen Gründe kommen aus diesem kurzen Aufsatz aus dem Jahr 1997.

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3 Gedanken zu „ZS88: Von der Tanzwut und ihrer (wahrscheinlichen) Ursache

  1. Interessant, das Phänomen kannte ich noch nicht.
    Mich würde interessieren inwiefern der Autor die Tanzwut von anderen Formen religiöser Extase abgrenzt, die ja im Vergleich gar nicht so selten ist. Hier ein sehr ausführlicher Artikel dazu: https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/ekstase-besessenheit/ch/09e2e5b21c8c8ab586e03f4e9d7669ff/

    U.a. wird da auch das Phänomen der Ansteckung erwähnt, das schon in der Bibel beschrieben ist.

  2. War wieder eine Freude euch zuzuhören! Zu Mutterkornvergiftungen habe ich vor kurzem auch etwas in Amy Stewart, “Gemeine Gewächse”, gelesen. Dort werden die Symptome mit Krämpfen, Übelkeit, Gebärmutterverengungen und Wundbrand beschrieben, die schließlich zum Tod führen können. Zudem erwähnt sie dass LSD zum ersten Mal aus der Lysergsäure des Mutterkorns gewonnen wurde. Die Symptome einer Mutterkornvergiftung sind auch mit LSD-ähnlichen Horror-Trips vergleichbar, die Hysterie, Halluzinationen und das Gefühl, das etwas unter der Haut kribbelt, umfassen, und Amy Stewart verweist darauf, dass einige Fälle von Besessenheit, und damit in Zusammenhang stehenden Anklagen auf Hexerei, heute auf Mutterkornvergiftungen zurückgeführt werden. Zum Beispiel Salem 1691/92 – da wars allerdings auch Winter, und die Bedingungen passten besser als bei sommerlichen Tanzexzessen in Italien.

    • Hi Monika,

      vielen Dank für den spannenden Input. War mir gar nicht bewusst, wie verwandt die Symptome für diese beiden ja recht unterschiedlichen Dinge sind. Vielleicht müssen wir einfach mal eine kleine Geschichte des LSD machen, das wär ja sicher auch ganz spannend. Und was die Hexenverfolgungen angeht: kann ich mir auch sehr gut vorstellen, dass die Mutterkornvergiftung schuld an Verhalten ist, dass man damals eher schwarzer Magie zuschreiben würde.

      Lg,
      Richard

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