ZS203: Bleiben oder gehen? Die Option in Südtirol 1939

Wir springen in das Jahr 1939 und beschäftigen uns diesmal mit Südtirol: Nach dem Hitler-Mussolini-Abkommen im Oktober 1939 mussten sich deutschsprachige Südtiroler und Ladiner bis Ende des Jahres entscheiden, ob sie ins Deutsche Reich auswandern oder in Italien bleiben, wo sie sprachlich und kulturell unterdrückt wurden. Und obwohl ein Großteil optiert hat, sind nur wenige tatsächlich ausgewandert.

Die Geschichte hat Anna Masoner mitgebracht, die uns vor einiger Zeit einmal von einem Rosengarten in Portland erzählt hat. Sie hat ihre Familiengeschichte recherchiert und ist im Archiv auf die Akten ihrer Großeltern gestoßen.

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ZS165: Pius IX. und die kurzlebige Römische Republik von 1849

Wir springen in dieser Folge in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ort des Geschehens ist das heutige Italien, das zu diesem Zeitpunkt ein Fleckenteppich kleinerer und größerer Herrschaftsgebiete war. Eines davon war der Kirchenstaat, der zu diesem Zeitpunkt schon seit über 1000 Jahren existiert. Doch das Revolutionsjahr 1848 steht vor der Tür, und der neugewählte Papst Pius IX. steht vor einer schwierigen Entscheidung.

Wir sprechen in dieser Episode darüber, wie diese Entscheidung aussah und welche Folgen sie für ihn, das System des Kirchenstaats und die Gesamtbevölkerung Italiens hatte.

Die erwähnte Literatur ist das Buch “The Pope Who Would Be King” von David I. Kertzer.

Das Episodenbild zeigt Pius IX. in einem Portrait des US-amerikanischen Malers George Peter Alexander Healy aus dem Jahr 1781.

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Nachlese

Nachlese ZS01: Rosamundes Verschwörung (und etwas Quellenkritik)

Mit dem neuen Blog haben wir jetzt auch die Möglichkeit, noch ein bisschen tiefer in diverse Geschichten einzutauchen, einige Aspekte abzudecken, die wir aus zeitlichen Gründen nicht in die Episoden stecken konnten und um generell ein paar mehr Zusammenhänge aufzuzeigen. Wir nennen diese Kategorie einfach relativ unkreativ aber zumindest nachvollziehbar “Nachlese”.

Die erste Nachlese gibt’s, passenderweise, über Episode 01, die Geschichte Alboins, seiner Frau Rosamunde und das Fest, bei dem er sie dazu zwang, aus dem Schädel ihres Vaters Wein zu trinken (wer’s noch nicht gehört hat, kann das gleich hier im Player oder irgendwann mal auf der Episodenseite machen):

In der Episode wurde eine Verschwörung erwähnt, die, ausgehend von Rosamunde – ausgelöst vielleicht durch die grauenhafte oben erwähnte Erniedrigung – den Tod Alboins zum Ziel hat. Die eigentlichen Umstände dieser Verschwörung wurden aus Zeitgründen nicht erwähnt, da sie aber selbst auch recht interessant sind, gibt’s jetzt hier ein paar Details.

Rosamunde, wie man sich unschwer vorstellen kann, war nicht zufrieden. Abgesehen von der Tatsache, dass sie mit dem  Mörder ihres Vaters verheiratet wurde, hatte er sie also auch noch so grausam öffentlich erniedrigt.

Rosamunde wandte sich also an Helmigis (oder auch Helmichis, die Schreibweisen variieren hier – wie so oft), den Schildträger und eigentlich engen Vertrauten Alboins. Mit ihm hatte sie schon vorher eine Affäre begonnen, weshalb sie ihn wohl recht einfach davon überzeugen konnte, Alboin zu beseitigen.

Angeblich verführte Rosamunde noch einen gewissen Peretreo, einen Diener Alboins, um ihn dann dazu zu bringen, Alboin zu töten. Wer Alboin nun wirklich tötete – Peretreo oder Helmigis – ist ungeklärt. Auf jeden Fall wurde Alboin in der Nacht des 28. Juni 572 in seinem Schlafgemach ermordet.

Der König ist tot, es lebe der König! Das dachte sich zumindest Helmigis, der jetzt die Macht an sich reißen wollte um den nun leeren Thron zu besteigen. Allerdings hatte er seine Rechnung ohne den Rest der Gefolgschaft Alboins gemacht. Die dachten gar nicht daran, ihm den Thron zu übergeben, und so mussten Rosamund und Helmigis, gemeinsam mit einem Teil der langobardischen Armee fliehen.

Was dann geschah ist nicht eindeutig, da wir es hier mit den unterschiedlichen Aussagen zumindest zweier Quellen zu tun haben. Laut Gregor von Tours, dem Geschichtsschreiber der merowingischen Franken, die zur selben Zeit etwas nördlicher herrschten, wurden Rosamunde und Helmigis schnell eingeholt und getötet.

Der Chronist Marius von Avenches hingegen beschreibt ein anderes Szenario: Laut ihm landeten sie in Ravenna, und wurden von einem gewissen Longinus, einem byzantinischen Kommandanten, empfangen. Diese Geschichte ist auch der Grund, warum die Verschwörung zur Ermordung Alboins oft auch als ein byzantinischer, also oströmischer Plot interpretiert wird. Das ist auch nicht so abwegig, da die Byzantiner – obwohl sie wahrscheinlich selbst daran beteiligt waren, die Langobarden nach Italien zu lotsen – mittlerweile Interesse daran hatten, das mittlerweile schon recht mächtige Königreich wieder zu zerschlagen.

Aber auch in dieser Interpretation geht’s für Helmigis und Rosamunde nicht so gut aus. Rosamunde, die die Macht, die sie noch hat, festigen will, nimmt sich Longinus als Liebhaber. Sie will ihn heiraten, doch Longinus verlangt davor, dass sie zuerst Helmigis aus dem Weg räumt. Also beschließt Rosamunde Helmigis zu vergiften. Helmigis jedoch erfährt von dem Plan, und als sie ihm eines abends einen Becher mit vergiftetem Wein reicht, zwingt er Rosamunde selbst aus dem Becher zu trinken, bevor er dann selbst davon trinkt. Aus Rosamundes Plan werden also ein Mord und Selbstmord.

Was lernen wir daraus? Generell, dass Geschichte vielfach aus Geschichten besteht, besonders wenn es um Zeiträume geht, die  von nur wenigen erzählenden Quellen wie den Chroniken von Paulus Diaconus, Marius von Avenches oder Gregor von Tours beschrieben werden. Keiner dieser Chronisten schrieb unter den gleichen Voraussetzungen: wo der andere eine Geschichte in seiner bevorzugten politischen Interpretation verfasste, sah der andere eine gute Gelegenheit für ein religiöses Gleichnis. Und abgesehen von eigenen Interpretationen: oft wurden Chroniken Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte nach den Ereignissen, die sie beschreiben, erstellt, und dann meist basierend auf nicht wirklich verifizierbaren Quellen. Wir sehen also: schwierig!

Abschließend, weil wir ja auch versprochen haben, hier Bilder herzuzeigen, gibt’s noch ein Gemälde des britischen Malers Charles Landseer aus dem 19. Jahrhundert, das die Ermordung Alboins darstellen soll.

 

ZS67: Palladio, der erfolgreichste Architekt aller Zeiten

In dieser Zeitsprung-Episode springen wir ins 16. Jahrhundert. Dort begründet, ausgehend vom italienischen Vicenza, ein Steinmetz seinen Ruf als erster Berufsarchitekt der Welt. Was er wahrscheinlich nicht zu hoffen wagte: seine Pläne sind bis heute Grundlage zahlreicher Bauten, viele davon sind weltberühmt. Wir sprechen darüber, wie es dazu kam.



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ZS44: Eine kurze Geschichte der Süßigkeiten

Wir springen diesmal quer durch die Jahrhunderte und sprechen in mehreren Anekdoten darüber, wie Süßigkeiten das wurden, was sie heute sind.


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ZS29: Ein Müller in den Fängen der Inquisition

Ende des 16. Jahrhunderts erregt Domenico Scandella, ein Müller in einem kleinen Bergdorf in Oberitalien, die Aufmerksamkeit der Inquisition. Die Geschichte bietet einen seltenen und überraschenden Einblick in das Leben eines Menschen in der Frühen Neuzeit, der nicht nur heftige Kritik an der Kirche übte, sondern die Entstehung der Welt anhand von vergorenem Käse erklärte.

Vielen Dank an Luis und Steffen, die den sehr hörenswerten Podcast vorHundert machen, für die Unterstützung bei den Quellen!

Wer mehr über das Thema erfahren will, wird bei Carlo Ginzburg und seinem Buch »Der Käse und die Würmer« fündig.


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