ZS252: Harvard Computers – Wie Astronominnen die Sterne neu sortierten

Wir springen in dieser Folge nach Harvard in die USA an die Sternwarte, das Harvard College Observatory. Der langjährige Direktor dort, Edward Pickering, setzte auf eine neue Technik, mit der in der Astronomie eine neue Ära eingeläutet wurde: die Fotografie. Die Auswertung der vielen Fotoplatten übernahm eine Gruppe Frauen, die heute als Harvard Computers bekannt ist. Diese Pionierinnen haben wegweisende Arbeiten gemacht und die Astrophysik auf ein neues Level gehoben, in einer Zeit, in der Frauen die wissenschaftliche Anerkennung verwehrt wurde.

Vielen Dank an Karl Urban, der uns nicht nur auf das Thema hingewiesen hat, sondern in dieser Folge als Experte zur Verfügung stand und uns die damals entdeckten astronomischen Erkenntnisse genauer erklärt hat. Karl macht neben seinen journalistischen Arbeiten auch seit vielen Jahren einen Podcast über Sterne und Steine: AstroGeo.

Das in der Folge erwähnte Youtube-Video, mit einem Einblick in das gigantische Glasplattenarchiv, findet sich hier.

Das Episodenbild zeigt die Harvard Computers mit Edward Pickering im Jahr 1913.

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7 Antworten auf „ZS252: Harvard Computers – Wie Astronominnen die Sterne neu sortierten“

Von den Harvard Computers hatte noch nie zuvor gehört, aber diese Geschichte hat mich tatsächlich an etwas ähnliches erinnert: Und zwar an die Frauen in Bletchley Park. Die meisten aller Arbeitskräfte, die damals während des zweiten Weltkrieges an der Entschlüsselung des kodierter Nachrichten gearbeitet haben, waren tatsächlich Frauen. Unter anderem bedienten sie die kryptographischen Maschinen, die mit deren Hilfe man letztendlich den Enigma-Kode knacken konnte. Allgemein hatten Frauen eine Pionierrolle in der Informatik inne und waren die ersten Programmierer (siehe etwa ZS06: “Ada und die Pferdewetten”). Zum Beispiel hat Margaret Hamilton die Software für den Apollo Guidance Computer entwickelt. Den Frauen, die zuvor als menschliche Computer bei mathematischen Berechnungen tätig waren, überließ man quasi auch die Bedienung der ersten elektronischen Rechnern. Erst als sich später die Informatik als eigenständige Disziplin entwickelt hat, wurden Frauen zunehmend verdrängt und die Computerarbeit wurde zum Männerberuf. Leider wieder ein Beispiel, wo die Pionierrolle von Frauen lange Zeit ignoriert wurde.

Diese Folge war wieder mal hervorragende Zeitsprungepisode, bei der sich (zumindest in meinem Kopf) ungeahnte Querverbindungen aufgetan haben!

P.S.: Tut mir leid, falls ich hier das Thema eines zukünftigen Zeitsprunges gespoilert haben sollte…

Noch ein Gedanke: Nur wenige Frauen entscheiden sich für einen naturwissenschaftlich-technischen Beruf, weil es unter anderem an bekannten Vorbildern für Forscherinnen und Ingenieurinnen mangelt. In dem Zusammenhang ist es besonders schade, dass beispielsweise eine herausragende Astronomin wie Henrietta Leavitt für ihre Entdeckung der Cepheiden als Standardkerzen nicht ausreichend gewürdigt wird. Auf der anderem Seite soll etwa die Schauspielerin Hedy Lamarr als Vorbild dienen, so dass in ihren Namen ein Preis für österreichische Wissenschaftlerinnen verliehen wird. Dabei hat sie nie eine wissenschaftliche Ausbildung gehabt und ihre angebliche Erfindung des Frequenzsprungverfahrens war wohl nur ein sehr erfolgreicher PR-Gag (siehe ZS214: “Hedy Lamarr – Hollywoodstar und Erfinderin”).

Hallo Daniel und Richard,
Eine Bitte Daniel, könntest Du eventuell die Namen der Frauen, die Du in der Folge hervorgehoben hast, auch noch einmal in die Shownotes schreiben? Das wäre lieb.
Mal abgesehen davon, dass diese Folge wieder wunderbar war, wollte ich Euch gerne einmal sagen, wie toll ich es finde, dass Ihr so völlig effortless Eure Sprache gendert. Jedesmal, wenn sich wieder jemand beschwert, ein *innen sei so sperrig und würde die Sprache verhunzen, dann führe ich Euch als leuchtendes Beispiel dafür an, dass es in Wirklichkeit wunderbar in den Sprachfluss passt und sich so natürlich anhört, dass man es im ersten Moment gar nicht bemerkt. Ihr liefert mir damit regelmäßig Schützenhilfe! Vielen Dank dafür!
Ich freu mich schon auf nächsten Mittwoch.
Liebe Grüße
Anne

Liebe Anne,

danke dir für dein Feedback, das freut mich sehr!
Die Namen der Frauen, die in der Folge erwähnt werden sind: Williamina Fleming, Annie Jump Cannon, Henrietta Swan Leavitt und Antonia Maury.

Viele Grüße
Daniel

Hallo Richard und Daniel,

vielen Dank für eine weiter großartige Folge eures Podcasts.
Ich habe euch erst kürzlich entdeckt und bin jetzt schon ein großer Fan.

Als (angehende) Physikerin fand ich diese Folge natürlich besonders interessant. Und auch von meiner Seite daher nochmal ein großes Lob dafür, dass ihr in eurem Podcast gendert. Als Frau in einem naturwissenschafltichen Gebiet kann ich nur bestätigen, wie wichtig inklusive Sprache und andere Frauen als ‘Vorbilder’ sind.

Liebe Grüße
Veronika

Ich bin sehr begeistert über die Geschichte, denn damit habt ihr meinen Tipp vorweg genommen! Vor Kurzem habe ich das erwähnte (und sehr gute) Buch von Dava Sobel gelesen und mit gedacht: “Das wäre doch was für Zeitsprung…” Schön, dass Karl Urban das ebenso gesehen hat 🙂

Hallo Daniel und Richard,
Danke für die klasse Folge! Finde es immer total spannend, die Geschichten der Frauen in der Wissenschaft zu hören, die jetzt ‘wiederentdeckt’ werden. Gerne mehr davon! 🙂
Den Kommentar schreib ich aber deswegen, weil ich gerade die Serie ‘Unser Kosmos’ ansehe (die ich übrigens sehr empfehlen kann), und in Folge 8 (‘Sisters of the Stars’) geht es genau um die Harvard Computers, die dort auch mit Namen genannt werden. Dies noch als Nachtrag dazu, dass ihr am Ende eurer Folge darüber gesprochen habt, dass über die Frauen in der Schule gesprochen werden sollte – im populärwissenschaftlichen Fernsehen sind sie schon angekommen 🙂
Liebe Grüße und macht weiter so, ich liebe euren Podcast!

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