ZS219: Die Kotze-Affäre

Wir springen in dieser Folge an den kaiserlichen Hof im Deutschland des 19. Jahrhunderts. An einem Tag im Jänner des Jahres 1891 vergnügt sich eine Gruppe Adliger auf einer Schlittenfahrt, die schließlich in einer Feierlichkeit, die etwas außer Rand und Band gerät, endet. Was danach passiert, wird die folgenden Jahre Gegenstand erbitterter Streitigkeiten, Gerichtsverfahren und schließlich auch dreier Duelle sein, an deren Ende ein Todesfall zu beklagen ist.

Es geht um intime Geheimnisse, Ehrenverletzungen und eine Gesellschaft im Umbruch.

Das Episodenbild zeigt den Ausschnitt eines der versandten Schmähbriefe.

Die erwähnte Literatur ist das von Martina Winkelhofer “Eine feine Gesellschaft”, zu Skandalen an europäischen Königs- und Kaiserhäusern und die eigentliche Studie zur Affäre von Wolfgang Wippermann “Skandal im Jagdschloss Grunewald“.

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3 Antworten auf „ZS219: Die Kotze-Affäre“

Fantastische Folge
Ein Hofstaat im Gefängnis seiner Moralvorstellungen. Amüsanter Beginn, immer absurdere Folgen. Die Beobachtung von an sich klugen oder sogar sehr klugen Menschen, die sich nicht aus Ihrem Traditionen lösen können, habe ich sonst nur so beim Lied von Feuer und Eis gehabt. und das ganze ist erst gut 100 Jahre her.
Selten so viel über eine Folge nachgedacht.

Das Konzept der Ehre finde ich wirklich interessant und irgendwie verwunderlich. Ist mir fremd. Von meinem Sohn aber weiß ich, dass “Ehre” unter Jugendlichen ein sehr modernes Wort und Konzept ist. Wenn man gut übereinander spricht, dann nennt man den anderen z.B. Ehrenmann oder halt im Gegenteil ehrenlos. Das Ganze kommt wohl aus der Hiphop-Szene (in der ich mich so gar nicht auskenne ;)). Vielen Dank für die schöne Folge.

Lieber Richard,
eine sehr interessante Geschichte hast Du dort “ausgegraben”. Sie zeigt sehr schön, dass der Mensch natürlich immer schon Mensch war – mit Gutem, Schlechtem und so wie hier konkret mit Sexualität abseits der damaligen Moralvorgaben…
Die Geschichte ist m. E. ein prägnantes Beispiel für die “innere Schiefe”, die dem wilheminischen Kaiserreich innewohnte, Schein und Sein sind hier den “gehobenen” Protagonistinnen und Protagonisten ungünstig auf die Füße gefallen; die Obrigkeit in Aktionismus (Institutionen handeln kopflos und sind formal gar nicht zuständig, der Kaiser in seinem Pfauenuniversum in Rage), Duellforderungen und das Dilemma der offensichtlichen unterschiedlichen (Nicht-)Ahndungen homosexueller Handlungen bei dem “einfachen Volk” und den “hohen und allerhöchsten Kreisen”…
Also was tun? Nichts, was noch größere Kreise zieht – hoffen auf eine anderes “Nr. 1 Thema” in der (Boulevard-)Presse. Später kam dann noch der unechte Hauptmann nach Köpenick – diese Schieflage zwischen “Gehorsam vs. Verstand benutzen” war dann schon etwas lustiger. Aber das ist ja schon wieder eine andere Geschichte…

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