31 Jul

ZS201: Eine kleine Geschichte des Speiseeises

Wir springen in dieser Woche durch die Zeiten, vom 2. Jahrtausend vor der Zeitenwende, bis zur Gegenwart: denn wir besprechen die Geschichte des Eises, genauer, die Geschichte des Speiseeises. Die Süßigkeit, an der sich heutzutage Millionen von Menschen so selbstverständlich laben, hat eine bewegte Geschichte hinter sich, im wahrsten Sinne des Wortes.

Als Inspiration und Vorlage diente dieser Artikel, das erwähnte Buch von Jerio Quinzio heißt “Of sugar and snow: A history of ice cream making” und die Erkenntnisse der erwähnten Historikerin Dr. Melissa Calaresu zu Speiseeis in Neapel lassen sich hier nachlesen.

Das Episodenbild zeigt Speiseeis, von Daniel aufgenommen.

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10 Gedanken zu „ZS201: Eine kleine Geschichte des Speiseeises

  1. Sehr tolle Folge und wieder einmal mit einem Thema, über dessen Geschichte man sich sonst eigentlich kaum Gedanken macht.

    Zwei Bemerkungen würde ich gerne anfügen. Am Anfang der Folge hast du dich etwas am Wort “Speiseeis” verhaspelt und dann gemeint, dass es eben leider kein anderes Wort dafür gibt. Also in der Schweiz gibt es durchaus ein anderes Wort: Wir sagen hier dazu eigentlich nur “Glace” (Betonung auf dem “a” und das “e” ausgesprochen.) Kommt natürlich aus dem Französischen.

    Dazu hast du noch erwähnt, dass die Perser früher eine Eisart gehabt haben, die sie Faludeh nannten. Faludeh ist noch heute im Iran sehr verbreitet und zu seinen Zutaten gehören, neben dem erwähnten Rosenwasser, vor allem Reisnudeln. Die Kinder lieben es und anstatt Eisdielen findet man auf den iranischen Märkten eigentich vor allem Faludeh-Stände. In Europa sollte man es bei den meisten persischen Restaurants erhalten.
    Hier noch ein zufällig gefundenes Rezept auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=PWbvpzCvqe0

    Beste Grüsse

  2. Wieder ein sehr spannender Zeitsprung, vielen Dank!
    Zwei Hinweise hätte ich jedoch noch anzubringen:
    Die erwähnte Kirche “Santa Maria della Neve” in Neapel gibt es nach wie vor, sie hat sogar den Titel einer “Basilika”. http://www.santamariadellaneve.eu
    Die Bezeichnung “Maria della Neve” hat jedoch nichts mit dem damals schon in Neapel konsumierten Eis bzw. Schnee zu tun. Sie bezieht sich vielmehr auf das “Schneewunder”, welches sich bei der Grundsteinlegung der wichtigen römischen Papstkirche “Santa Maria Maggiore” am 5. August 358 zugetragen haben soll.
    Demnach erschien die Gottesmutter dem römischen Patrizier Johannes und dessen Frau, und versprach ihnen, dass ihr Wunsch nach einem Sohn in Erfüllung gehen werden, wenn sie an dem Ort Roms, welcher am nächsten Morgen mit Schnee bedeckt sei, eine Kirche zu Ehren der Gottesmutter errichten würden.
    Am nächsten Tag, eben dem 5.August und damit mitten im Hochsommer, war der höchste Punkt des Esquilin mit Schnee bedeckt.
    Daraufhin wurde Papst Liberius gerufen und gemeinsam wurde der Grundstein für eine der bis heute bedeutendsten und größten Kirchen Roms gelegt.
    Ausgehend von dieser Kirche und ihrer Geschichte wurden immer wieder Kirchen unter dem Patrozinium “Maria Schnee” geweiht.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Unsere_Liebe_Frau_vom_Schnee

  3. Zum Thema Eisspachtel vs Eisportionierer (Eiskugeln): Den Eisspachtel kenne ich quasi nur aus Italien; dort kaufte ich nie eine gewisse Anzahl Kugeln, sondern Becher bestimmter Größe. Und die wurden (mit dem Spachtel) mit den gewünschten Sorten gefüllt – die Menge richtete sich nach der Anzahl der Sorten, halt so lang, bis der Becher voll war. Möglicherweise wird in den von euch genannten Wiener Eisdielen dieser Modus zelebriert, um “noch italienischer” zu wirken 😉

    • Hallo Daniel, Richard und Stefan,

      ich muss zum Thema Eisspachtel vs. Eisportionierer auch noch einmal meinen Senf hinzugeben.: Ich bin Anfang der 1980er Jahre in Erfurt in Thüringen geboren und habe bis zum Ende meiner Schulzeit auch dort bei meinen Eltern gelebt. Das heißt, ich habe bis zum Mauerfall die ersten 7 Jahre noch ein wenig die DDR miterlebt. Sehr verbreitet war in der DDR neben dem “normalen” Milcheiskugeln auf einer Waffeltüte, noch das Softeis auf einer Waffeltüte. Allerdings gab es sowohl für das Eis als Kugeln als auch für das Softeis meiner Erinnerung nach immer nur drei Sorten im Geschmack: Schokolade, Vanille und Erdbeere. Mit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung kamen dann mit allen anderen Produkten – sowie Waren – die industriell hergestellten Eis-Varianten von Schöller und Langnese in unsere Geschäfte und Kaufhallen. Und damit bin zumindest ich meiner Erinnerung nach auch das erste Mal in Kontakt mit Wassereis gekommen. Als ich Anfang der 1990er Jahre in die Grundschule gegangen bin, haben wir uns nach Schulschluss immer im nächsten Kiosk diese ungefähr 20 Zentimeter langen und transparenten Kunststoffschläuche ungefroren für 20 Pfennig das Stück gekauft und haben das etwas gefärbte Zuckerwasser mit den künstlichen Aromastoffen direkt so in Zimmertemperatur aus ihnen getrunken. – Als Kinder waren zumindest wir damals nicht nur im Bezug auf den Musikgeschmack noch stark verwirrt.

      Zu der ungefähr selben Zeit sind aber viele gastronomische Südeuropäer entweder direkt oder vielleicht über die alten Bundesländer zu uns in die Ost-Länder geströmt und haben alle ihre südeuropäischen Esskulturen mitgebracht. – Einige chinesische Gastronomen waren natürlich auch darunter. – Bei uns in Erfurt gab es neben den deutschen auch etliche von Italienern geführte Eis-Cafès, die klassisch in Waffeltüten im Schnitt für 1 Mark je Kugel Milcheis an die Laufkundschaft verkauften. Aber es gab in der Altstadt zwei von Italienern geführte Eis-Cafès, die auch beide das Eis mit Spachteln für den Wegverzehr verkauften. Der eine allerdings in Pappbecher, der andere hingegen in Waffeltüten, die an sich schon deutlich größer als bei allen anderen waren. Im wesentlich war aber bei beiden gemein, dass nicht nur ihre Spachtelportionen gegenüber gefühlt allen restlichen Eisdielen in ganz Thüringen mehr Eis je Portion besaßen, sondern auch eine Spachtelportion bei beiden mit im Schnitt 50 Pfennig auch preiswerter als bei allen anderen waren.
      Allerdings muss es ungefähr 2002 gewesen sein, dass ich zu Hause in Erfurt das letzte Mal bei einem der beiden Eis-Cafès ein Eis gekauft habe. 2006 war dann das letzte Mal, dass ich überhaupt Erfurt besucht habe. Ich kann also nicht sagen, ob es die beiden Eis-Cafès mit ihren Spachteln überhaupt noch gibt.

      Etwa zu der Zeit habe ich dann aber bereits 5 von knapp 10 Jahren im westlichsten Stadtteil Frankfurt am Mains – in Sindlingen gewohnt, der auch im angrenzenden Teil des Main Taunus Kreis und bei den Mitarbeitern des damaligen an sich noch existierenden Höchst AG Stammwerks in Frankfurt Höchst einen legendären Ruf besaß und darüber hinaus weiterhin besitzt. Als ich als Auszubildender in einigen Betrieben meine praktischen Betriebsphasen hatte, gab es immer wieder ältere Mitarbeiter, die noch über die Zeiten bis weit in die 1990er Jahre hinein geschwärmt haben, wo Samstags, Sonntags und Feiertags von April bis September die Schlange der italienischen Eisdiele auf weit über 100 Meter anwuchs, weil neben dem normalen Straßenpublikum noch so ziemlich viele Betriebe des Werkes auch immer einen Mitarbeiter in blauer Arbeitskluft mit Thermoskübel hinaus zur Besorgung des Eis für die gesamten Schichtbelegschaft geschickt wurden. – Wenn ich bei meinem nächsten Zahnarztbesuch eh auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes dort bin, sollte ich dort auch mal wieder ein Eis essen.

  4. Bin ich der Einzige, der sich bei jedem “Eishaus” ein Sch davor denkt? Ich hatte 10 Minuten einen Lachkrampf.
    Auch wie ich mich dann beruhigt hab, eine unterhaltsame Folge. 🙂

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