29 Mai

ZS192: Tiere vor Gericht

Gab es mal eine Zeit, in der Tiere in Strafprozessen zum Tode verurteilt wurden? Und Insekten von der Kirche exkommuniziert wurden, wenn sie sich geweigert haben, Felder oder Weinberge freiwillig zu verlassen? In dieser Folge beschäftigen wir uns mit Tierprozessen. Diese Prozesse tauchen vereinzelt in den Quellen ab dem 13. Jahrhundert auf und erreichen im 16. Jahrhundert ihren Höhepunkt.

Wir sprechen außerdem über die problematische Quellenlage dieser Geschichte: Denn vielleicht gehen die Tierprozesse gar nicht auf echte Gerichtsverfahren zurück, sondern auf das Genre der fiktiven Prozesse, das angehenden Juristen die Grundsätze des „gelehrten römisch-kanonischen Prozesses in erbaulicher Art und Weise“ vermitteln sollte.

Der von Richard in der Folge angesprochene Artikel: When Dickens met Dostoevsky

Vielen Dank an Rene für den Hinweis!

Außerdem haben wir noch einen Hinweis zur 200. Folge: Für die Jubiläumsfolge planen wir eine Spezialausgabe, in der wir eure Fragen beantworten möchten. Schickt uns dazu bis spätestens 21. Juli 2019 eure Fragen – via Mail (feedbackATzeitsprung.fm) oder Twitter (@ZeitsprungFM). In Kürze wird es auch die Möglichkeit geben, uns Fragen, Grüße, Kommentare und Glückwünsche per Audionachricht zu schicken, die wir dann in die Folge mit einbauen werden.

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10 Gedanken zu „ZS192: Tiere vor Gericht

  1. Da gibt es tatsächlich eine Menge Berichte über vermeintliche Tierprozesse. Tatsache ist jedoch auch, dass es kulturell stark rezipierte Fälle von “Hinrichtungen” aggressiv oder unkontrollierbar gewordener Tiere gab. Allein mehrere Fälle von Elefanten scheinen überliefert. Eine Rezeption dieser Fälle von “mad elephants” findet sich sogar in dem Disney-Klassiker “Dumbo”, hier wird die gegenüber einem Zirkusbesucher aggressiv gewordene Elefantenkuh, welche die Mutter von “Dumbo” ist, zwar nicht hingerichtet, aber in einen gefängnisartigen Einzelwagen gesperrt, an dem ein Schild vor dem “Mad Elephant” warnt.

  2. Vielen Dank für die Folge! Eine Anmerkung: Tiere als Rechtssubjekte zu sehen, ist keineswegs nur eine völlig abwegige “mittelalterliche” Idee. Erst letztes Jahr (2018!) sind Tierrechtsaktivisten in der Berufung im so genannten “Monkey-Selfie”-Prozess daran gescheitert, einem Affen Copyright zusprechen zu lassen, siehe hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Monkey_selfie_copyright_dispute

    Der durchaus ernsthafte Hintergrund der Sache war, dass eine Anerkennung von Tieren als Rechtssubjekte als jursitischer Präzedenzfall ungeheure Auswirkungen auf die rechtliche Basis von Tierschutz hätte. (Wenn ich mich richtig erinnere, gab es dazu mal eine gewohnt exzellente radiolab-Folge, die ich allerdings grade nicht finde.) Tatsächlich ist der genaue Rechtstatus von Tieren in vielen modernen Rechtssystemen ziemlich ambivalent: Prinzipiell werden sie meist als Dinge behandelt, die aber doch irgendwie geschützt werden sollen und daher so eine Art Rechte haben.

    Überträgt man das zurück auf die historischen Mordprozesse gegen Schweine und ähnliche Großtiere (falls es sie denn gab), könnte man argumentieren, dass diesen Tieren gerade durch die Anklage paradoxerweise eigentlich ein hohes Maß an Respekt zugestanden wurde, eben weil man sie (fast) wie einen Menschen behandelte. Dass dem armen Schwein das im Einzelfall natürlich auch nicht viel gebracht hat steht auf einem anderen Blatt.

    • Hab grad in den oben verlinkten Schumann-Aufsatz reingeschaut, da steht ja schon einiges Interessante zum Thema Rechtstatus, z.B. das Tiere und unfreie Menschen zum Teil in einer rechtlichen Kategorie zusammengefasst wurden.

      Der Hinweis zum Affen-Selfie und zur aktuellen Diskussion ist aber vielleicht trotzdem interessant.

  3. “Der Historiker Daniel Meßner weist zudem darauf hin, dass es keinerlei vorhergehende juristische Tradition für diese Prozesse gab, und dass im Gegenteil sogar Aussagen damaliger Herrscher überliefert sind, nach denen Tiere keine Schuld haben können, da sie keine vernunftbegabten Wesen seien. Als Hintergrund für die überlieferten Prozesse vermutet er Übungsaufgaben für angehende Juristen”
    Nicht schlecht, nun werdet ihr schon bei Wikipedia zitiert.

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