26 Sep

ZS157: Salpeter – Aufstieg und Fall einer chemischen Verbindung

Wir springen etwa 100 Jahre zurück und beschäftigen uns mit Chemiegeschichte: Es geht um Salpeter. Ein Stoff, Kaliumnitrat, von dem Europa im 19. Jahrhundert abhängig war, denn er war Hauptbestandteil von Schießpulver und Basis von Düngemittel für die Landwirtschaft.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann dann der industrielle Abbau von Salpeter. Nach dem Salpeterkrieg, ab 1884, sicherte sich Chile praktisch das Monopol auf den Handel mit Salpeter, das vor allem in der Atacama-Wüste abgebaut wurde. Doch der Boom währte nur kurz: Mit dem Haber-Bosch-Verfahren stand bald eine Alternative bereit, die dazu führte, dass der Handel mit Salpeter in den 1920er Jahren zusammenbrach und die vielen Fabriken in der Atacama-Wüste zu Geisterstädten wurden – die heute Teil des UNESCO Weltkultur-Erbes sind.

Chilehaus Hamburg

Das in der Folge erwähnte Chilehaus: Es zeigt, wie sehr gerade auch die Hamburger Kaufleute und Reeder vom Handel mit Salpeter profitiert haben.

Die Idee für diese Folge lieferte Henry, der in den 90er Jahren für eine Fotoreportage Bilder der Geisterstädte in der Atacama-Wüste gemacht hat. Einige Bilder der verlassenen Minen und Fabriken hat Henry auf seiner Website veröffentlicht.

Vielen Dank an unsere Expertin Marlene Scheuermeyer!

By DeyaAbarzua [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons

Episodenbild: Die verlassene Oficina S. Santa Laura in der Atacama-Wüste.

Wer Zeitsprung unterstützen möchte: Wir freuen uns, wenn ihr den Podcast bei iTunes rezensiert oder bewertet. Für alle jene, die kein iTunes verwenden, gibt’s die neue Podcastplattform Panoptikum, auch dort könnt ihr Zeitsprung empfehlen, bewerten aber auch euer ganz eigenes PodcasthörerInneprofil erstellen.

Wir freuen uns auch immer, wenn ihr euren Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen oder sogar Nachbarinnen und Nachbarn von Zeitsprung erzählt!


 

8 Gedanken zu „ZS157: Salpeter – Aufstieg und Fall einer chemischen Verbindung

  1. Schöne Episode, aber ein grober Schnitzer ist da meines Wissens drin.
    Bei Minute 24 heist es, daß das Haber Bosch Verfahren während des Krieges keine größeren Auswirkungen gehabt hätte. Das mag für Chile und die Entente so gewesen sein. Für Deutschland war das Haber Bosch Verfahren Kriegsentscheident (bzw. im Endeffekt nur Kriegsverlängernd). Ohne dieses Verfahren wäre Deutschland 1915 die Munition ausgegangen, was den Krieg deutlich verkürzt hätte und damit extremen Einfluss auf die Weltgeschichte gehabt hätte.

    • Lieber Dirk,

      stimmt, das habe ich falsch formuliert. Gemeint waren die Auswirkungen auf den Salpeterhandel, der dann erst Mitte der 20er Jahre stark einbricht. Aber insbesondere das Ammoniakwerk Merseburg liefert noch während des Krieges große Mengen Ammoniak.

      Danke für den Hinweis und viele Grüße
      Daniel

  2. Lieber Daniel, vielen Dank für den wirtschafts- und chemiegeschichtlichen Bogen, den du anhand von Salpeter hier aufspannst. Solche Episoden sind ein Highlight eures von mir ohnehin besonders liebgewonnenen Podcasts.

    Mit Salpeterfahrt und -handel ist im besonderen Maße auch die Hamburger Reederei F. Laeisz verbunden. Aufbauend auf dem Erfolg der Reederei mit dem eigenen Namen waren die Laeisz ein wichtiger Akteur bei der Entwicklung des Hamburger Reedertums insgesamt (Hapag und die spätere Hamburg Süd z.B.). Auf Carl Laeisz geht dann z.B. auch die Hamburger Laeiszhalle zurück.

    Einzelne „Hamborger Veermaster“, die sogenannten Flying P-Liner, die bis Anfang der 30er von Laeisz noch in der Salpeterfahrt eingesetzt wurden, sind heute noch zu besichtigen. So liegt die Passat als Museumsschiff an der Travemünder Halbinsel Priwall, nach der einst ein bauähnlicher P-Liner benannt wurde. Das Schwesterschiff Peking, das lange im Hafen von New York lag, wurde 2017 zur Restaurierung nach Deutschland gebracht um anschließend im Hamburger Hafen ausgestellt zu werden.

    Salpeter war übrigens auch wichtig für die Herstellung von Anilin, das mit dem Aufstieg und der Gründung von Unternehmen wie Bayer, der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik (BASF) und Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrication (Agfa) sowie der Entwicklung der Chemie in Deutschland (aber auch allgemein) in spezieller Verbindung steht, um einen weiteren Bogen zum Haber-Bosch-Verfahren zu schlagen 😉

    Nebenbei ist es vielleicht ein wenig pointiert, wenn man davon spricht, dass erst Ertl die Ammoniaksynthese verstand. Das klingt dann so ein wenig nach Alchemie bei Haber und Bosch 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.