22 Nov

ZS113: Die Hep-Hep-Unruhen von 1819

Wir springen diesmal in die Zeit kurz nach dem Wiener Kongress: 1819 wird mit den Karlsbader Beschlüssen ein großes staatliches Überwachungspaket verabschiedet, auf das heute noch manchmal Bezug genommen wird, wenn von Metternich 2.0 die Rede ist. Fürst von Metternich war während der Phase der Restauration (vom Wiener Kongress 1815 bis zur Märzrevolution 1848) einer der federführenden Politiker.

Als Auslöser für die Karlsbader Beschlüsse gilt die Ermordung von August von Kotzebue. Ein unmittelbarer Grund für die Durchsetzung des Überwachungspakets ist erstaunlicherweise weniger bekannt: die Hep-Hep-Unruhen oder Hep-Hep-Krawalle – die ersten überregionalen antisemitischen Verfolgungen seit dem Mittelalter.

Die Idee zu der Episode haben wir diesem Tweet von Christoph Pallaske (segu-Geschichte) zu verdanken:

Als Experte hat uns in dieser Episode Prof. Werner Bergmann unterstützt, emeritierter Professor vom Zentrum für Antisemitismus-Forschung an der TU Berlin. Vielen Dank!

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3 Gedanken zu „ZS113: Die Hep-Hep-Unruhen von 1819

  1. Zur Interpretation der Karlsbader Beschlüsse: Ohne, daß ich jetzt einen Beleg hätte, halte ich die Begründungen wie den Kotzebue- Mord und den Hep- Hep- Aufstand für vorgeschoben: es ging ja nicht um den Schutz der Öffentlichkeit, sondern um den zukünftigen Macht- Erhalt von Monarchien und die Unterdrückung demokratischer Bewegungen.
    Wenn ich das aber bei Wikipedia richtig gelesen habe, haben die Ausschreitungen in Würzburg ursprünglich auch einen politischen Hintergrund:
    Würzburg war demnach bis 1814 selbständiges Fürstentum und Provinzhauptstadt und fiel nun dem Staat Bayern zu und verlor damit seine Autonomie- zudem mußte es auch den bayerischen Judenedikt übernehmen, der ihnen rechtliche Gleichstellung und Zuzug in Würzburg erlaubte, so daß die jüdische Gemeinde 1819 schon auf 400 Menschen angewachsen war.
    Der in Wikipedia zitierte Drohbrief bringt Juden und den bayerischen Staat direkt in Verbindung: „Der Jude als nächster Verwandter der bayerischen Finanzkammer darf im ganzen Königreich (…. )”
    Außerdem nennt Wikipedia als Reizfigur den jüdische Bankier Josef Hirsch, der seit 1803 in Würzburg gewesen sei und im Auftrag der bayerischen Regierung Geschäfte getätigt habe. Dazu gehörte auch der Ankauf säkularisierten Kircheneigentums, was in der erzkatholischen Bischofsresidenz Würzburg sicher nicht gern gelitten war.
    Ausschreitungen gegen Minderheiten sind eben- meiner Ansicht nach- doch nur feige Attentate auf die schwächsten Glieder der Gesellschaft, in denen sich die Unzufriedenheit von Bevölkerungsteilen mit Politik und Wirtschaft austoben. (Noch besser zu sehen am: Fettmilch- Aufstand, ebenfalls Wikipedia)
    Danke für Eure Zeitsprünge! Weiter so!

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