15 Jan

Nachlese ZS01: Rosamundes Verschwörung (und etwas Quellenkritik)

Mit dem neuen Blog haben wir jetzt auch die Möglichkeit, noch ein bisschen tiefer in diverse Geschichten einzutauchen, einige Aspekte abzudecken, die wir aus zeitlichen Gründen nicht in die Episoden stecken konnten und um generell ein paar mehr Zusammenhänge aufzuzeigen. Wir nennen diese Kategorie einfach relativ unkreativ aber zumindest nachvollziehbar “Nachlese”.

Die erste Nachlese gibt’s, passenderweise, über Episode 01, die Geschichte Alboins, seiner Frau Rosamunde und das Fest, bei dem er sie dazu zwang, aus dem Schädel ihres Vaters Wein zu trinken (wer’s noch nicht gehört hat, kann das gleich hier im Player oder irgendwann mal auf der Episodenseite machen):

In der Episode wurde eine Verschwörung erwähnt, die, ausgehend von Rosamunde – ausgelöst vielleicht durch die grauenhafte oben erwähnte Erniedrigung – den Tod Alboins zum Ziel hat. Die eigentlichen Umstände dieser Verschwörung wurden aus Zeitgründen nicht erwähnt, da sie aber selbst auch recht interessant sind, gibt’s jetzt hier ein paar Details.

Rosamunde, wie man sich unschwer vorstellen kann, war nicht zufrieden. Abgesehen von der Tatsache, dass sie mit dem  Mörder ihres Vaters verheiratet wurde, hatte er sie also auch noch so grausam öffentlich erniedrigt.

Rosamunde wandte sich also an Helmigis (oder auch Helmichis, die Schreibweisen variieren hier – wie so oft), den Schildträger und eigentlich engen Vertrauten Alboins. Mit ihm hatte sie schon vorher eine Affäre begonnen, weshalb sie ihn wohl recht einfach davon überzeugen konnte, Alboin zu beseitigen.

Angeblich verführte Rosamunde noch einen gewissen Peretreo, einen Diener Alboins, um ihn dann dazu zu bringen, Alboin zu töten. Wer Alboin nun wirklich tötete – Peretreo oder Helmigis – ist ungeklärt. Auf jeden Fall wurde Alboin in der Nacht des 28. Juni 572 in seinem Schlafgemach ermordet.

Der König ist tot, es lebe der König! Das dachte sich zumindest Helmigis, der jetzt die Macht an sich reißen wollte um den nun leeren Thron zu besteigen. Allerdings hatte er seine Rechnung ohne den Rest der Gefolgschaft Alboins gemacht. Die dachten gar nicht daran, ihm den Thron zu übergeben, und so mussten Rosamund und Helmigis, gemeinsam mit einem Teil der langobardischen Armee fliehen.

Was dann geschah ist nicht eindeutig, da wir es hier mit den unterschiedlichen Aussagen zumindest zweier Quellen zu tun haben. Laut Gregor von Tours, dem Geschichtsschreiber der merowingischen Franken, die zur selben Zeit etwas nördlicher herrschten, wurden Rosamunde und Helmigis schnell eingeholt und getötet.

Der Chronist Marius von Avenches hingegen beschreibt ein anderes Szenario: Laut ihm landeten sie in Ravenna, und wurden von einem gewissen Longinus, einem byzantinischen Kommandanten, empfangen. Diese Geschichte ist auch der Grund, warum die Verschwörung zur Ermordung Alboins oft auch als ein byzantinischer, also oströmischer Plot interpretiert wird. Das ist auch nicht so abwegig, da die Byzantiner – obwohl sie wahrscheinlich selbst daran beteiligt waren, die Langobarden nach Italien zu lotsen – mittlerweile Interesse daran hatten, das mittlerweile schon recht mächtige Königreich wieder zu zerschlagen.

Aber auch in dieser Interpretation geht’s für Helmigis und Rosamunde nicht so gut aus. Rosamunde, die die Macht, die sie noch hat, festigen will, nimmt sich Longinus als Liebhaber. Sie will ihn heiraten, doch Longinus verlangt davor, dass sie zuerst Helmigis aus dem Weg räumt. Also beschließt Rosamunde Helmigis zu vergiften. Helmigis jedoch erfährt von dem Plan, und als sie ihm eines abends einen Becher mit vergiftetem Wein reicht, zwingt er Rosamunde selbst aus dem Becher zu trinken, bevor er dann selbst davon trinkt. Aus Rosamundes Plan werden also ein Mord und Selbstmord.

Was lernen wir daraus? Generell, dass Geschichte vielfach aus Geschichten besteht, besonders wenn es um Zeiträume geht, die  von nur wenigen erzählenden Quellen wie den Chroniken von Paulus Diaconus, Marius von Avenches oder Gregor von Tours beschrieben werden. Keiner dieser Chronisten schrieb unter den gleichen Voraussetzungen: wo der andere eine Geschichte in seiner bevorzugten politischen Interpretation verfasste, sah der andere eine gute Gelegenheit für ein religiöses Gleichnis. Und abgesehen von eigenen Interpretationen: oft wurden Chroniken Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte nach den Ereignissen, die sie beschreiben, erstellt, und dann meist basierend auf nicht wirklich verifizierbaren Quellen. Wir sehen also: schwierig!

Abschließend, weil wir ja auch versprochen haben, hier Bilder herzuzeigen, gibt’s noch ein Gemälde des britischen Malers Charles Landseer aus dem 19. Jahrhundert, das die Ermordung Alboins darstellen soll.

 

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