23 Nov

Hörer*innen-Treffen am 18.1.2018 in Wien

Am 18. Januar sind wir seit längerem mal wieder beide an einem Ort. Die Gelegenheit wollen wir nutzen und ein Hörer*innen-Treffen machen. Der Plan ist, dass wir uns gegen 18 Uhr in Wien treffen, eine (historische) Ausstellung besuchen und anschließend noch was trinken gehen. Wohin steht noch nicht fest – werden wir aber noch rechtzeitig bekanntgeben.

Wer mitkommen möchte: Bitte meldet euch kurz mit einem +1 in den Kommentaren oder auf Twitter, sehr willkommen sind auch Ausstellungsvorschläge. Wir freuen uns auf euch!

11 Aug

Juxtapose: Afrikahaus, Hamburg

Das Afrikahaus in Hamburg vor etwa hundert Jahren und heute. Viel hat sich am Gebäude scheinbar nicht getan und doch liegen Welten zwischen den beiden Bildern. Das Kontorhaus in der Große Reichenstraße 27 wurde 1899 gebaut und verweist, wie so vieles in Hamburg, auf die koloniale Vergangenheit der Stadt. Hamburg spielte eine besondere Rolle und profitierte erheblich durch den Handel von den kolonialen Bestrebungen. Neben Berlin gilt Hamburg daher als „Kolonialmetropole des Kaiserreiches“.

Das Haus wurde als Firmensitz für C. Woermann, die Woermann-Linie und die Deutsche Ost-Afrika-Linie gebaut und ist noch immer im Familienbesitz. Gegenwärtig versucht die Stadt Hamburg das koloniale Erbe aufzubereiten: 2014 beschloss der Hamburger Senat, sich dem kolonialen Erbe zu stellen. Hamburg soll ein Ort postkolonialer Erinnerungskultur werden. Zu dem Zweck wurde eine Forschungsstelle an der Uni Hamburg eingerichtet: Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung.

Geleitet wird die Forschungsstelle von Prof. Jürgen Zimmerer, den ich bereits für den UHH-Newsroom interviewt habe. Im Moment dreht sich die öffentliche Diskussion vor allem um die Frage nach der Anerkennung des Völkermordes an den Herero und Nama. Die deutsche Verhandlungsführung habe große Fehler gemacht, meint Zimmerer:

Die Verhandlungen sind nahezu gescheitert, weil vor allem die deutsche Verhandlungsführung große Fehler gemacht hat. Im Moment sieht es so aus: Wir haben keine Anerkennung durch das deutsche Parlament, keine Entschuldigung durch den Bundespräsidenten und dazu noch eine Klage der Herero in New York gegen Deutschland. Und nun droht die namibische Regierung, ebenfalls auf Wiedergutmachung zu klagen. Das ist im Grunde ein Desaster.

Der Hinweis zum Völkermord an den Herero und Nama führt uns wieder zurück zum Afrikahaus: Denn die Afrikanische Dampfschiffs-Actiengesellschaft Woermann-Linie „wickelte mit eigenen und gecharterten Schiffen den Verkehr zur Unterstützung der umstrittenen Militäraktion ab.“

Das historische Bild ist aus der Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe und stammt aus dem Atelier J. Hamann. Das genaue Aufnahmedatum ist nicht überliefert, vermutlich im 1. Viertel des 20. Jahrhunderts.

01 Mai

#HHFakt – April 2017


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09 Apr

Fragen & Antworten: Dürfen Bienen wie Mongolen heißen?

Lothar Bodingbauer, seines Zeichens Podcaster, Imker, irgendwie Spezialist für eigentlich alles und auch dankenswerterweise schon öfters Gastsprecher hier, hat uns eine Frage gestellt.

Es geht um eines seiner Bienenvölker, einen Mongolenstamm und die Frage, ob sich die Geschichte eigentlich für die Benennung seiner Bienen wirklich eignet.

Seine Frage hat er uns aufgenommen, wir haben uns die Freiheit genommen, die Frage und die Beantwortung gleich hier einzubinden.

25 Feb

Juxtapose: Wien, Hofburg

108 Jahre liegen zwischen den beiden Fotos und viel scheint sich nicht nicht verändert zu haben. Und doch liegen Welten zwischen den Bildern: Bei der Aufnahme des historischen Bildes war die Wiener Hofburg noch das Zentrum der Macht in der Habsburger Monarchie. Heute laufen täglich tausende Touristen durch die Hofburg und bewundern den Glanz der alten Tage.

Im Rücken zur Aufnahme befindet sich das Schweizer Tor, der Blick nach vorne ist auf das Denkmal Kaiser Franz I. gerichtet, es wurde im Jahr 1846 enthüllt – und war zum Zeitpunkt der historischen Aufnahme gerade abgesperrt. Das Bild ist aus dem Jahr 1909 und stammt von Sigurd Curman – es ist über die europeana abrufbar.

05 Feb

Juxtapose: Bremen, Bahnofstraße – 1912/2017


Teilweise mehr als 200.000 wanderten bis 1914 jährlich mit der Reederei Norddeutscher Lloyd in die USA aus. Das Bild zeigt Auswanderer in der Bahnhofstraße in Bremen vor der “Passagier-Annahme”. Heute existiert die Häuserfront in der Form nicht mehr, nur mit dem Bahnhof ganz rechts im Bild überschneiden sich die beiden Fotos.

Neben Bremen war Hamburg mit der Reederei Hapag ein zentraler Anlaufpunkt für Auswanderer: Über 100.000 Personen begaben sich bis 1914 jährlich auf die Dampfer, um in den USA ein neues Leben anzufangen. Heute erinnert “BallinStadt – das Auswanderermuseum Hamburg” an ihre Geschichten und Schicksale.

30 Jan

Juxtapose: Wien, Schwarzenbergplatz

Wien um 1900: Blick auf das Palais Erzherzog Ludwig Viktor, das Palais Wiener von Welten – mit dem kleinsten Weingarten Wiens – und die ehemalige Direktion der Staats-Eisenbahn-Gesellschaft. Rechts ist das Reiterdenkmal zu Ehren von Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg zu sehen. Das zweite Bild zeigt die Szenerie im Jänner 2017.

Das historische Bild stammt von der ÖNB, Digitale Sammlung Wien.

23 Jan

Juxtapose: Regensburg, Altes Rathaus

Regensburg, Goliathstraße, mit Blick auf das Alte Rathaus: Das historische Bild ist um die Jahrhundertwende aufgenommen worden, aber auf jeden Fall nach 1903. Denn es ist auch eine Straßenbahn zu sehen und die erste Straßenbahnlinie in Regensburg wurde erst 1903 eröffnet. Straßenbahnen fuhren – mit kriegsbedingten Unterbrechungen – bis 1964, zeitweise auf bis zu 4 Linien.

Wer bei der Straßenbahn den Weg nach rechts nimmt, geht direkt auf ein Denkmal zu, das auch schon mal Zeitsprung-Thema war, das Denkmal eines berühmten Kegels: Don Juan de Austria (Bild links). Weiter geradeaus geht es zum Goldenen Kreuz am Haidplatz, das Kaiser Karl V. während seiner Aufenthalte in Regensburg als Herberge genutzt hat. Über dem Haus ist die in der Episode erwähnte Plakette angebracht (Bild rechts).

15 Jan

Nachlese ZS01: Rosamundes Verschwörung (und etwas Quellenkritik)

Mit dem neuen Blog haben wir jetzt auch die Möglichkeit, noch ein bisschen tiefer in diverse Geschichten einzutauchen, einige Aspekte abzudecken, die wir aus zeitlichen Gründen nicht in die Episoden stecken konnten und um generell ein paar mehr Zusammenhänge aufzuzeigen. Wir nennen diese Kategorie einfach relativ unkreativ aber zumindest nachvollziehbar “Nachlese”.

Die erste Nachlese gibt’s, passenderweise, über Episode 01, die Geschichte Alboins, seiner Frau Rosamunde und das Fest, bei dem er sie dazu zwang, aus dem Schädel ihres Vaters Wein zu trinken (wer’s noch nicht gehört hat, kann das gleich hier im Player oder irgendwann mal auf der Episodenseite machen):

In der Episode wurde eine Verschwörung erwähnt, die, ausgehend von Rosamunde – ausgelöst vielleicht durch die grauenhafte oben erwähnte Erniedrigung – den Tod Alboins zum Ziel hat. Die eigentlichen Umstände dieser Verschwörung wurden aus Zeitgründen nicht erwähnt, da sie aber selbst auch recht interessant sind, gibt’s jetzt hier ein paar Details.

Rosamunde, wie man sich unschwer vorstellen kann, war nicht zufrieden. Abgesehen von der Tatsache, dass sie mit dem  Mörder ihres Vaters verheiratet wurde, hatte er sie also auch noch so grausam öffentlich erniedrigt.

Rosamunde wandte sich also an Helmigis (oder auch Helmichis, die Schreibweisen variieren hier – wie so oft), den Schildträger und eigentlich engen Vertrauten Alboins. Mit ihm hatte sie schon vorher eine Affäre begonnen, weshalb sie ihn wohl recht einfach davon überzeugen konnte, Alboin zu beseitigen.

Angeblich verführte Rosamunde noch einen gewissen Peretreo, einen Diener Alboins, um ihn dann dazu zu bringen, Alboin zu töten. Wer Alboin nun wirklich tötete – Peretreo oder Helmigis – ist ungeklärt. Auf jeden Fall wurde Alboin in der Nacht des 28. Juni 572 in seinem Schlafgemach ermordet.

Der König ist tot, es lebe der König! Das dachte sich zumindest Helmigis, der jetzt die Macht an sich reißen wollte um den nun leeren Thron zu besteigen. Allerdings hatte er seine Rechnung ohne den Rest der Gefolgschaft Alboins gemacht. Die dachten gar nicht daran, ihm den Thron zu übergeben, und so mussten Rosamund und Helmigis, gemeinsam mit einem Teil der langobardischen Armee fliehen.

Was dann geschah ist nicht eindeutig, da wir es hier mit den unterschiedlichen Aussagen zumindest zweier Quellen zu tun haben. Laut Gregor von Tours, dem Geschichtsschreiber der merowingischen Franken, die zur selben Zeit etwas nördlicher herrschten, wurden Rosamunde und Helmigis schnell eingeholt und getötet.

Der Chronist Marius von Avenches hingegen beschreibt ein anderes Szenario: Laut ihm landeten sie in Ravenna, und wurden von einem gewissen Longinus, einem byzantinischen Kommandanten, empfangen. Diese Geschichte ist auch der Grund, warum die Verschwörung zur Ermordung Alboins oft auch als ein byzantinischer, also oströmischer Plot interpretiert wird. Das ist auch nicht so abwegig, da die Byzantiner – obwohl sie wahrscheinlich selbst daran beteiligt waren, die Langobarden nach Italien zu lotsen – mittlerweile Interesse daran hatten, das mittlerweile schon recht mächtige Königreich wieder zu zerschlagen.

Aber auch in dieser Interpretation geht’s für Helmigis und Rosamunde nicht so gut aus. Rosamunde, die die Macht, die sie noch hat, festigen will, nimmt sich Longinus als Liebhaber. Sie will ihn heiraten, doch Longinus verlangt davor, dass sie zuerst Helmigis aus dem Weg räumt. Also beschließt Rosamunde Helmigis zu vergiften. Helmigis jedoch erfährt von dem Plan, und als sie ihm eines abends einen Becher mit vergiftetem Wein reicht, zwingt er Rosamunde selbst aus dem Becher zu trinken, bevor er dann selbst davon trinkt. Aus Rosamundes Plan werden also ein Mord und Selbstmord.

Was lernen wir daraus? Generell, dass Geschichte vielfach aus Geschichten besteht, besonders wenn es um Zeiträume geht, die  von nur wenigen erzählenden Quellen wie den Chroniken von Paulus Diaconus, Marius von Avenches oder Gregor von Tours beschrieben werden. Keiner dieser Chronisten schrieb unter den gleichen Voraussetzungen: wo der andere eine Geschichte in seiner bevorzugten politischen Interpretation verfasste, sah der andere eine gute Gelegenheit für ein religiöses Gleichnis. Und abgesehen von eigenen Interpretationen: oft wurden Chroniken Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte nach den Ereignissen, die sie beschreiben, erstellt, und dann meist basierend auf nicht wirklich verifizierbaren Quellen. Wir sehen also: schwierig!

Abschließend, weil wir ja auch versprochen haben, hier Bilder herzuzeigen, gibt’s noch ein Gemälde des britischen Malers Charles Landseer aus dem 19. Jahrhundert, das die Ermordung Alboins darstellen soll.