09 Apr

Fragen & Antworten: Dürfen Bienen wie Mongolen heißen?

Lothar Bodingbauer, seines Zeichens Podcaster, Imker, irgendwie Spezialist für eigentlich alles und auch dankenswerterweise schon öfters Gastsprecher hier, hat uns eine Frage gestellt.

Es geht um eines seiner Bienenvölker, einen Mongolenstamm und die Frage, ob sich die Geschichte eigentlich für die Benennung seiner Bienen wirklich eignet.

Seine Frage hat er uns aufgenommen, wir haben uns die Freiheit genommen, die Frage und die Beantwortung gleich hier einzubinden.

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25 Feb

Juxtapose: Wien, Hofburg

108 Jahre liegen zwischen den beiden Fotos und viel scheint sich nicht nicht verändert zu haben. Und doch liegen Welten zwischen den Bildern: Bei der Aufnahme des historischen Bildes war die Wiener Hofburg noch das Zentrum der Macht in der Habsburger Monarchie. Heute laufen täglich tausende Touristen durch die Hofburg und bewundern den Glanz der alten Tage.

Im Rücken zur Aufnahme befindet sich das Schweizer Tor, der Blick nach vorne ist auf das Denkmal Kaiser Franz I. gerichtet, es wurde im Jahr 1846 enthüllt – und war zum Zeitpunkt der historischen Aufnahme gerade abgesperrt. Das Bild ist aus dem Jahr 1909 und stammt von Sigurd Curman – es ist über die europeana abrufbar.

05 Feb

Juxtapose: Bremen, Bahnofstraße – 1912/2017


Teilweise mehr als 200.000 wanderten bis 1914 jährlich mit der Reederei Norddeutscher Lloyd in die USA aus. Das Bild zeigt Auswanderer in der Bahnhofstraße in Bremen vor der “Passagier-Annahme”. Heute existiert die Häuserfront in der Form nicht mehr, nur mit dem Bahnhof ganz rechts im Bild überschneiden sich die beiden Fotos.

Neben Bremen war Hamburg mit der Reederei Hapag ein zentraler Anlaufpunkt für Auswanderer: Über 100.000 Personen begaben sich bis 1914 jährlich auf die Dampfer, um in den USA ein neues Leben anzufangen. Heute erinnert “BallinStadt – das Auswanderermuseum Hamburg” an ihre Geschichten und Schicksale.

30 Jan

Juxtapose: Wien, Schwarzenbergplatz

Wien um 1900: Blick auf das Palais Erzherzog Ludwig Viktor, das Palais Wiener von Welten – mit dem kleinsten Weingarten Wiens – und die ehemalige Direktion der Staats-Eisenbahn-Gesellschaft. Rechts ist das Reiterdenkmal zu Ehren von Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg zu sehen. Das zweite Bild zeigt die Szenerie im Jänner 2017.

Das historische Bild stammt von der ÖNB, Digitale Sammlung Wien.

23 Jan

Juxtapose: Regensburg, Altes Rathaus

Regensburg, Goliathstraße, mit Blick auf das Alte Rathaus: Das historische Bild ist um die Jahrhundertwende aufgenommen worden, aber auf jeden Fall nach 1903. Denn es ist auch eine Straßenbahn zu sehen und die erste Straßenbahnlinie in Regensburg wurde erst 1903 eröffnet. Straßenbahnen fuhren – mit kriegsbedingten Unterbrechungen – bis 1964, zeitweise auf bis zu 4 Linien.

Wer bei der Straßenbahn den Weg nach rechts nimmt, geht direkt auf ein Denkmal zu, das auch schon mal Zeitsprung-Thema war, das Denkmal eines berühmten Kegels: Don Juan de Austria (Bild links). Weiter geradeaus geht es zum Goldenen Kreuz am Haidplatz, das Kaiser Karl V. während seiner Aufenthalte in Regensburg als Herberge genutzt hat. Über dem Haus ist die in der Episode erwähnte Plakette angebracht (Bild rechts).

15 Jan

Nachlese ZS01: Rosamundes Verschwörung (und etwas Quellenkritik)

Mit dem neuen Blog haben wir jetzt auch die Möglichkeit, noch ein bisschen tiefer in diverse Geschichten einzutauchen, einige Aspekte abzudecken, die wir aus zeitlichen Gründen nicht in die Episoden stecken konnten und um generell ein paar mehr Zusammenhänge aufzuzeigen. Wir nennen diese Kategorie einfach relativ unkreativ aber zumindest nachvollziehbar “Nachlese”.

Die erste Nachlese gibt’s, passenderweise, über Episode 01, die Geschichte Alboins, seiner Frau Rosamunde und das Fest, bei dem er sie dazu zwang, aus dem Schädel ihres Vaters Wein zu trinken (wer’s noch nicht gehört hat, kann das gleich hier im Player oder irgendwann mal auf der Episodenseite machen):

In der Episode wurde eine Verschwörung erwähnt, die, ausgehend von Rosamunde – ausgelöst vielleicht durch die grauenhafte oben erwähnte Erniedrigung – den Tod Alboins zum Ziel hat. Die eigentlichen Umstände dieser Verschwörung wurden aus Zeitgründen nicht erwähnt, da sie aber selbst auch recht interessant sind, gibt’s jetzt hier ein paar Details.

Rosamunde, wie man sich unschwer vorstellen kann, war nicht zufrieden. Abgesehen von der Tatsache, dass sie mit dem  Mörder ihres Vaters verheiratet wurde, hatte er sie also auch noch so grausam öffentlich erniedrigt.

Rosamunde wandte sich also an Helmigis (oder auch Helmichis, die Schreibweisen variieren hier – wie so oft), den Schildträger und eigentlich engen Vertrauten Alboins. Mit ihm hatte sie schon vorher eine Affäre begonnen, weshalb sie ihn wohl recht einfach davon überzeugen konnte, Alboin zu beseitigen.

Angeblich verführte Rosamunde noch einen gewissen Peretreo, einen Diener Alboins, um ihn dann dazu zu bringen, Alboin zu töten. Wer Alboin nun wirklich tötete – Peretreo oder Helmigis – ist ungeklärt. Auf jeden Fall wurde Alboin in der Nacht des 28. Juni 572 in seinem Schlafgemach ermordet.

Der König ist tot, es lebe der König! Das dachte sich zumindest Helmigis, der jetzt die Macht an sich reißen wollte um den nun leeren Thron zu besteigen. Allerdings hatte er seine Rechnung ohne den Rest der Gefolgschaft Alboins gemacht. Die dachten gar nicht daran, ihm den Thron zu übergeben, und so mussten Rosamund und Helmigis, gemeinsam mit einem Teil der langobardischen Armee fliehen.

Was dann geschah ist nicht eindeutig, da wir es hier mit den unterschiedlichen Aussagen zumindest zweier Quellen zu tun haben. Laut Gregor von Tours, dem Geschichtsschreiber der merowingischen Franken, die zur selben Zeit etwas nördlicher herrschten, wurden Rosamunde und Helmigis schnell eingeholt und getötet.

Der Chronist Marius von Avenches hingegen beschreibt ein anderes Szenario: Laut ihm landeten sie in Ravenna, und wurden von einem gewissen Longinus, einem byzantinischen Kommandanten, empfangen. Diese Geschichte ist auch der Grund, warum die Verschwörung zur Ermordung Alboins oft auch als ein byzantinischer, also oströmischer Plot interpretiert wird. Das ist auch nicht so abwegig, da die Byzantiner – obwohl sie wahrscheinlich selbst daran beteiligt waren, die Langobarden nach Italien zu lotsen – mittlerweile Interesse daran hatten, das mittlerweile schon recht mächtige Königreich wieder zu zerschlagen.

Aber auch in dieser Interpretation geht’s für Helmigis und Rosamunde nicht so gut aus. Rosamunde, die die Macht, die sie noch hat, festigen will, nimmt sich Longinus als Liebhaber. Sie will ihn heiraten, doch Longinus verlangt davor, dass sie zuerst Helmigis aus dem Weg räumt. Also beschließt Rosamunde Helmigis zu vergiften. Helmigis jedoch erfährt von dem Plan, und als sie ihm eines abends einen Becher mit vergiftetem Wein reicht, zwingt er Rosamunde selbst aus dem Becher zu trinken, bevor er dann selbst davon trinkt. Aus Rosamundes Plan werden also ein Mord und Selbstmord.

Was lernen wir daraus? Generell, dass Geschichte vielfach aus Geschichten besteht, besonders wenn es um Zeiträume geht, die  von nur wenigen erzählenden Quellen wie den Chroniken von Paulus Diaconus, Marius von Avenches oder Gregor von Tours beschrieben werden. Keiner dieser Chronisten schrieb unter den gleichen Voraussetzungen: wo der andere eine Geschichte in seiner bevorzugten politischen Interpretation verfasste, sah der andere eine gute Gelegenheit für ein religiöses Gleichnis. Und abgesehen von eigenen Interpretationen: oft wurden Chroniken Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte nach den Ereignissen, die sie beschreiben, erstellt, und dann meist basierend auf nicht wirklich verifizierbaren Quellen. Wir sehen also: schwierig!

Abschließend, weil wir ja auch versprochen haben, hier Bilder herzuzeigen, gibt’s noch ein Gemälde des britischen Malers Charles Landseer aus dem 19. Jahrhundert, das die Ermordung Alboins darstellen soll.

 

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09 Jan

Rehau – Modellstadt Bayerns

Ich bin schon öfter an dem Schild vorbeigefahren, habe aber immer vergessen, ein Foto zu machen. Es gibt in jeder Fahrtrichtung auf der Autobahn ja auch nur eine Chance. Auf der A93 in Bayern Richtung Norden bei Kilometer 43,5, kurz nach »Selb. Stadt des Porzellans«, und Richtung Süden bei Kilometer 36. Das Projekt, alle touristischen Hinweisschilder auch als Foto zur Verfügung zu stellen, steht wohl noch aus. Wenigstens gibt es eine Liste mit allen Schildern.

Rehau liegt im Norden Bayerns, bei Hof in Oberfranken. Wenige Kilometer östlich ist die Grenze nach Tschechien und einige Kilometer nach Norden geht es nach Sachsen. Aber Modell für was ist Rehau? Die Geschichte geht zurück auf einen verheerenden Stadtbrand im Jahr 1817. Innerhalb von 3 Stunden ist die gesamte Stadt, mit 168 Wohnhäusern und 300 Scheunen, komplett niedergebrannt. Der Wiederaufbau erfolgte nach den neuesten städtebaulichen Erkenntnissen und Grundsätzen. Dazu zählten: Eine breite Marktstraße, rechtwinklig verlaufende Straßen und einheitliche Häuserreihen mit 4 Typen von Wohnhäusern. Es wurde daraufhin beschlossen, Rehau als Vorbild für andere bayerische Städte zu nutzen, falls ein Wiederaufbau notwendig wäre. Bislang ist Rehau allerdings die einzige Stadt geblieben, die nach diesem Entwurf gebaut wurde.

Die Grundrisse der Häusertypen sowie historische Pläne sind von der Stadt Rehau auf einer Website zusammengetragen worden.

06 Jan

Juxtapose: Unter den Talaren – 9. November 1967

Es wird höchste Zeit, dass wir den Zeitsprung-Podcast um ein Format erweitern. Für Geschichten, die nicht so richtig in den Podcast passen oder ergänzt werden wollen um Texte, Bilder oder andere Quellen.

Den Anfang macht ein Juxtapose-GIF, das das Audimax der Uni Hamburg zeigt. Bei der Rektoratsübergabe am 9. November 1967 enthüllten die beiden Studenten Detlev Albers und Gert Hinnerk Behlmer auf der Treppe vor dem Eingang ein Transparent, kurz bevor die Mitglieder des Rektorats den Hörsaal betraten. Ohne zu wissen, was darauf zu lesen war, gingen sie die Treppen herunter und es entstand eines der prägendsten Bilder der Studentenbewegung in den 1960er Jahren.